Seminar Hypertext – Kommunikation

Das Seminar richtet unterschiedliche Blickwinkel auf hypertextbasierte Kommunikation. Als Texttechnologie zur Ermöglichung und Unterbrechung von Kommunikation wird Hypertext als Grundelement der verschiedensten webbasierten Anwendungen und unter transdisziplinärem Einbezug von Ansätzen aus der Literaturtheorie und (Hyper-)Textlinguistik, Medientheorie, Raumtheorie, Kulturtheorie, Kunsttheorie analysiert.
Sind Hypertexte „lesbar“? Werden vertraute Lese- und Schreibtechniken nur erweitert oder findet eine radikale Transformation kulturhistorisch etablierter Techniken statt?
Was passiert, wenn Texte, die ursprünglich für den Druck gedacht waren, im Internet auftauchen; und was, wenn Blogs zum Buch und Chatprotokolle zur Textvorlage für Theaterstücke werden? Sind die Texte der Zukunft „readerless“ (Espen Aarseth, George Landow), dafür aber alle Menschen Autoren? Für wen schreiben die dann alle? Für ihr Profil? Für ein digitales Selbstbild? Oder doch für eine Community?
Ist Programmieren Schreiben und Source Code Text?
Ist Hypertext überhaupt Text? Oder doch eher eine Funktion im Raum? Schafft die Funktion des Hypertexts neue Räume, verändert sie die psychogeographische Bedeutung von Räumen und die Topographien der Macht? Wenn Facebook ein Land wäre, wäre es jedenfalls nach China, Indien und den USA gemessen an den Einwohnerzahlen das viertgrößte der Erde. Tendenz exponentiell steigend. Und das, obwohl es erst 5 Jahre alt ist. Und während Unternehmen die kollektive Intelligenz und die Feedbackgeschwindigkeit in sozialen Netzwerken für Produktentwicklung und Markenbildung nutzen, umgehen iranische Protestanten via Facebook und Youtube die Zensur der Regierung in Teheran und organisieren den Widerstand.
Ist Hypertext als Assoziationswerkzeug, das der kognitiven Funktionsweise des Gehirns bei der Ablage, Suche und Verknüpfung von gespeicherten Informationen mehr entspricht als alle anderen Verfahren der Informationsverarbeitung (Vannevar Bush 1945) die Wissenstechnologie der Zukunft oder stützt er eher als elementares Prinzip der Zerstückelung, Verflüchtigung und Beliebigkeit eine proklamierte „Theorie der Unbildung“ (Konrad Paul Liessmann)? Was ist denn eigentlich mit dem Wissen, das einst hinter den Millionen nicht mehr funktionierender Links verborgen war – ein normaler Halbwertzeitprozess? – die zum Funktionieren unserer Erinnerung elementare Funktion des Vergessens? Oder doch das bekannte Speicherplatz- oder Netzwerkproblem?
Das Seminar versucht nicht, Hypertext in einen Binarismus von gut oder schlecht, klug oder dumm einzuordnen. Dem Standpunkt Michel Serres folgend, der herausstreicht, dass „Die Systeme laufen, weil sie nicht laufen. Das Nicht-Funktionieren bleibt für das Funktionieren wesentlich.“ (Serres 1981, S. 120), wird aus der Systemstörung ein Kommunikationsangebot, aus dem Kommunikationsangebot eine Störung im System. Im Nicht-Funktionieren offenbart sich dann auch die materielle Seite des digitalen Mediums (Dieter Mersch), an das sich Hypertext knüpft und ihn von allen anderen historischen Formen der Nichtlinearisierung von Text unterscheidet.

Das Seminar richtet unterschiedliche Blickwinkel auf hypertextbasierte Kommunikation. Als Texttechnologie zur Ermöglichung und Unterbrechung von Kommunikation wird Hypertext als Grundelement der verschiedensten webbasierten Anwendungen und unter transdisziplinärem Einbezug von Ansätzen aus der Literaturtheorie und (Hyper-)Textlinguistik, Medientheorie, Raumtheorie, Kulturtheorie, Kunsttheorie analysiert.

Sind Hypertexte „lesbar“? Werden vertraute Lese- und Schreibtechniken nur erweitert oder findet eine radikale Transformation kulturhistorisch etablierter Techniken statt?

Was passiert, wenn Texte, die ursprünglich für den Druck gedacht waren, im Internet auftauchen; und was, wenn Blogs zum Buch und Chatprotokolle zur Textvorlage für Theaterstücke werden? Sind die Texte der Zukunft „readerless“ (Espen Aarseth, George Landow), dafür aber alle Menschen Autoren? Für wen schreiben die dann alle? Für ihr Profil? Für ein digitales Selbstbild? Oder doch für eine Community?

Ist Programmieren Schreiben und Source Code Text?

Ist Hypertext überhaupt Text? Oder doch eher eine Funktion im Raum? Schafft die Funktion des Hypertexts neue Räume, verändert sie die psychogeographische Bedeutung von Räumen und die Topographien der Macht? Wenn Facebook ein Land wäre, wäre es jedenfalls nach China, Indien und den USA gemessen an den Einwohnerzahlen das viertgrößte der Erde. Tendenz exponentiell steigend. Und das, obwohl es erst 5 Jahre alt ist. Und während Unternehmen die kollektive Intelligenz und die Feedbackgeschwindigkeit in sozialen Netzwerken für Produktentwicklung und Markenbildung nutzen, umgehen iranische Protestanten via Facebook und Youtube die Zensur der Regierung in Teheran und organisieren den Widerstand.

Ist Hypertext als Assoziationswerkzeug, das der kognitiven Funktionsweise des Gehirns bei der Ablage, Suche und Verknüpfung von gespeicherten Informationen mehr entspricht als alle anderen Verfahren der Informationsverarbeitung (Vannevar Bush 1945) die Wissenstechnologie der Zukunft oder stützt er eher als elementares Prinzip der Zerstückelung, Verflüchtigung und Beliebigkeit eine proklamierte „Theorie der Unbildung“ (Konrad Paul Liessmann)? Was ist denn eigentlich mit dem Wissen, das einst hinter den Millionen nicht mehr funktionierender Links verborgen war – ein normaler Halbwertzeitprozess? – die zum Funktionieren unserer Erinnerung elementare Funktion des Vergessens? Oder doch das bekannte Speicherplatz- oder Netzwerkproblem?

Das Seminar versucht nicht, Hypertext in einen Binarismus von gut oder schlecht, klug oder dumm einzuordnen. Dem Standpunkt Michel Serres folgend, der herausstreicht, dass „Die Systeme laufen, weil sie nicht laufen. Das Nicht-Funktionieren bleibt für das Funktionieren wesentlich.“  („Der Parasit“ , S. 120), wird aus der Systemstörung ein Kommunikationsangebot, aus dem Kommunikationsangebot eine Störung im System. Im Nicht-Funktionieren offenbart sich dann auch die materielle Seite des digitalen Mediums (vgl. Dieter Mersch), an das sich Hypertext knüpft und ihn von allen anderen historischen Formen der Nichtlinearisierung von Text unterscheidet.




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